Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) ordnet sich das deutsche Gebäudeenergierecht grundlegend neu. Für alle, die Immobilien planen, bauen, bewerten oder im Bestand modernisieren, verschieben sich damit die rechtlichen Leitplanken – und die Ökobilanzierung von Gebäuden rückt weiter in den Fokus der Baupraxis.

 

In diesem Beitrag ordnen wir das GModG für Sie ein und zeigen, wie es methodisch mit der DIN SPEC 91606 für die angewandte Ökobilanzierung von Bauwerken zusammenhängt – an deren Erarbeitung Concular aktiv mitgewirkt hat.

Was ist das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG)?

Das GModG löst das bisherige Gebäudeenergiegesetz (GEG) ab. Damit wird das ehemals durch das sogenannte „Heizungsgesetz“ geprägte Regelwerk durch ein Gesetz ersetzt, das technologieoffener, flexibler, praxistauglicher und einfacher gestaltet ist.

 

Die wichtigsten Kernpunkte des GModG im Überblick:

 

Abschaffung der pauschalen 65-Prozent-Vorgabe: Die starre Pflicht, bei der Wärmeversorgung von Neu- und Bestandsbauten mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien zu nutzen, entfällt.

 

Mehr Entscheidungsfreiheit beim Heizungstausch: Neben Wärmepumpen, Fernwärme, Hybridmodellen und Biomasse bleiben auch Gas- und Ölheizungen zulässig. Für fossile Systeme gilt jedoch: Ab 2029 müssen sie schrittweise einen steigenden Anteil kohlendioxidneutraler Brennstoffe nutzen.

 

Konsequente Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie: Das GModG überführt die europäische Richtlinie (EU) 2024/1275 in nationales Recht. Das bedeutet konkrete Renovierungsanforderungen für Nichtwohngebäude, die Einführung des Nullemissionsgebäudes sowie neue Vorgaben zur nachhaltigen Mobilität.

 

Evaluierung im Jahr 2030: Die zentralen Stellschrauben des GModG werden 2030 überprüft, um sicherzustellen, dass die Klimaschutzziele im Gebäudesektor verlässlich erreicht werden.

Warum die Ökobilanzierung im Bauwesen jetzt unverzichtbar wird

Der entscheidende Treiber hinter dem GModG ist die europäische Gesetzgebung. Die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) verankert nicht nur Anforderungen an die Gesamtenergieeffizienz, sondern lenkt den Blick – weit über die reine Betriebsenergie hinaus – auf den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes.

 

Genau an dieser Schnittstelle wird die Ökobilanzierung (Life Cycle Assessment, LCA) zum geschäftskritischen Faktor. Sie erfasst sämtliche Umweltwirkungen eines Bauwerks ganzheitlich:

 

  • Rohstoffgewinnung und Materialherstellung (Graue Energie)
  • Errichtung und laufender Betrieb
  • Instandhaltung und Modernisierung
  • Rückbau, Entsorgung und zirkuläre Wiederverwendungspotenziale

 

Damit fungiert die LCA-Berechnung als das entscheidende methodische Bindeglied zwischen gesetzlichen Mindestanforderungen und der realen, messbaren Nachhaltigkeit einer Immobilie.

DIN SPEC 91606: Die Spezifikation für die angewandte Ökobilanzierung

Parallel zur Weiterentwicklung des Energierechts schafft die DIN SPEC 91606 („Angewandte Ökobilanzierung für Bauwerke – Datengrundlagen, Regeln und Ergebnisdarstellung – Gebäude“) Klarheit und Einheitlichkeit in der Praxis.

 

Die DIN SPEC 91606 definiert einen verlässlichen Rahmen für:

 

  • Die Grundlagen und Berechnungsverfahren von Gebäude-Ökobilanzen.
  • Eindeutige Regeln zur Modellierung und Festlegung von Systemgrenzen entlang aller Lebenszyklusmodule (A1–A5, B1–B8, C1–C4 sowie D1/D2).
  • Einheitliche Bilanzbezugsgrößen, Indikatoren und Bilanzierungsregeln.
  • Die standardisierte Darstellung und Weitergabe von LCA-Ergebnissen über digitale Kommunikationsformate.

 

Methodisch dockt die Spezifikation direkt an das etablierte Normenwerk an – darunter die DIN EN 15978 (Umweltleistung von Gebäuden), die DIN EN 15804 (EPDs für Bauprodukte) sowie die DIN EN ISO 14040/14044.

 

Wichtig für die Digitalisierung: Für die Verknüpfung von Umweltproduktdeklarationen (EPDs) mit dem Building Information Modeling (BIM) verweist die Spezifikation auf die DIN EN ISO 22057. Das ist ein wichtiger Baustein für datenbasierte, modellgestützte LCA-Workflows ohne Medienbrüche. Wesentliche Vorgehensweisen und Regeln wurden bereits bei der Berechnung von Treibhausgasemissionen für das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) erprobt.

Das Zusammenspiel: Wie GModG und DIN SPEC 91606 ineinandergreifen

Obwohl es sich um zwei unterschiedliche Instrumente handelt – ein staatliches Gesetz auf der einen, eine technische Spezifikation auf der anderen Seite –, greifen sie in der Praxis ineinander:

 

  • Das GModG setzt den rechtlichen Rahmen und definiert die ordnungsrechtlichen Ziele zur Gesamtenergieeffizienz gemäß EU-Vorgaben.
  • Die DIN SPEC 91606 liefert das Werkzeug, um die Umweltwirkungen über den Lebenszyklus hinweg transparent, vergleichbar und nachvollziehbar zu bilanzieren.

 

Für Planungsbüros, Bauherren und Nachhaltigkeitsexperten gilt: Wer in belastbare LCA-Prozesse und eine saubere Datengrundlage investiert, sichert sich einen klaren Vorsprung und ist auf kommende Regularien gut vorbereitet.

Concular: Ihre Plattform für die normenkonforme Ökobilanzierung

Als Vorreiter der zirkulären Bauwirtschaft hat Concular aktiv an der Erarbeitung der DIN SPEC 91606 mitgewirkt. Dieses Engagement unterstreicht unseren Anspruch, standardisierte, praxistaugliche und BIM-integrierte Ökobilanzierung im Markt zu etablieren.

 

Mit CircularLCA bieten wir Ihnen eine leistungsstarke Software-Plattform für die BIM-basierte Ökobilanzierung, Zirkularitätsbewertung und Lebenszykluskostenrechnung (LCC) von Gebäuden – im Einklang mit den Methoden von Spezifikationen wie der DIN SPEC 91606. Wir unterstützen Planer und Investoren dabei, Umweltwirkungen bereits in frühen Projektphasen präzise zu analysieren, Materialvarianten zu vergleichen und regulatorische Anforderungen effizient zu erfüllen.

Fazit: Nachhaltigkeit wird messbar

Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) strukturiert das deutsche Gebäudeenergierecht neu, während die DIN SPEC 91606 das methodische Fundament für die angewandte Ökobilanzierung liefert. Beide Entwicklungen untermauern denselben Trend: Der gesamte Lebenszyklus einer Immobilie wird zum zentralen Maßstab für wirtschaftliche und ökologische Nachhaltigkeit.

 

Concular begleitet diesen Wandel – normativ durch die Mitwirkung an Spezifikationen und praktisch durch intelligente Softwarelösungen.

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