Im Rahmen eines Pilotprojekts wurde für die Geiger Gruppe mit CircularLCA die Ökobilanzierung des hybrid und seriell konzipierten Geiger Stammhaus Wohnen als achtstöckiges Gebäude mit einer Bruttogrundfläche von rund 2.855 m² durchgeführt. Ziel war es, bereits in einer frühen Planungsphase eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die weitere Produktentwicklung zu schaffen und die ökologische Qualität des Gebäudes transparent bewerten zu können.

Die Geiger Gruppe zählt zu den führenden deutschen Unternehmen in den Bereichen Bau und Immobilienentwicklung und verfolgt einen klaren Anspruch, die Kreislaufgesellschaft zu schaffen. Dazu gehört unter anderem, die Nachhaltigkeit systematisch und datenbasiert in die Planung zu integrieren. Entsprechend wurde CircularLCA als Software-Lösung eingesetzt, sowie ein projektspezifischer Software-Service, der die Planung gezielt unterstützen konnte.

Umsetzung mit CircularLCA

Auf Basis eines bereitgestellten IFC-Modells sowie eines spezifischen Bauteilkatalogs wurde das Gebäude vollständig in CircularLCA abgebildet. Zunächst erstellte das CircularLCA-Team einen maßgeschneiderten Bauteilkatalog, der die realen Bauteilaufbauten des Projekts widerspiegelt und eine eindeutige Zuordnung aller relevanten Komponenten ermöglicht. Besonderes Augenmerk lag dabei auf der hybriden Bauweise mit dem gezielten Einsatz unterschiedlicher Materialien – unter anderem Holz als nachwachsendem Rohstoff – sowie auf seriell vorgefertigten Bauteilen.

Anschließend wurden diese Bauteile mit passenden, normkonformen Datensätzen verknüpft – sowohl nach QNG-Rechenwerten als auch nach Ökobaudat-Datensätzen mit DGNB-Konformität. Darauf aufbauend erfolgte die Ökobilanzierung entsprechend einer Leistungsphase 3 gemäß den relevanten Normen und Bewertungssystemen. Der Fokus lag dabei insbesondere auf den Wirkungskategorien Globales Erwärmungspotenzial (GWP) und Primärenergie nicht erneuerbar (PENRT), um eine belastbare Grundlage für mögliche QNG- und DGNB-Zertifizierungen zu schaffen. Daneben diente auch der Circularity Performance Index (CPX) als Grundlage für die Optimierung der Kreislauffähigkeit des Gebäudes.

Transparente Ergebnisse und Hotspot-Analyse

Die Auswertung der Ergebnisse erfolgte vollständig über CircularLCA und wurde dem Projektteam in strukturierter Form zur Verfügung gestellt. Neben den Gesamtkennwerten ermöglichte die integrierte CO2-Hotspot-Analyse, die emissionsrelevantesten Bauteile und Materialien eindeutig zu identifizieren. Dadurch konnten gezielt Optimierungspotenziale aufgezeigt werden – sowohl in Bezug auf die Materialwahl (KG 300) als auch auf betriebliche Emissionen (Modul B6).

Die Analyse zeigte, dass die grauen Emissionen des Gebäudes bereits unter dem Durchschnitt vergleichbarer Wohngebäude liegen. Gleichzeitig wurde deutlich, an welchen Stellen weitere Reduktionen möglich sind, etwa durch alternative Materiallösungen oder eine Optimierung der Gebäudetechnik. Diese Transparenz erlaubt es, Maßnahmen frühzeitig zu bewerten und fundierte Entscheidungen für die nächsten Planungsschritte zu treffen.

Mehrwert für die Planung

Das Projekt ist ein Beispiel dafür, wie unser Software-Service eingesetzt werden kann, um Ökobilanzierung nicht erst am Ende, sondern frühzeitig und entscheidungsrelevant in den Planungsprozess zu integrieren. Gerade bei modularen, seriellen Gebäudekonzepten wie dem Geiger Stammhaus schafft die frühe ökologische Bewertung eine wichtige Grundlage für Wiederholbarkeit, Vergleichbarkeit und Skalierung, was die Kosten reduziert und die Berichterstattung über die Herstellungs- und Betriebsemissionen deutlich vereinfacht.

Durch die Kombination aus digitaler Plattform und projektspezifischer Unterstützung wird zirkuläres Bauen messbar, vergleichbar und praxisnah umsetzbar.

 

Visualisierung: (C)Geiger Gruppe