Abriss eines Gebäudes nach nur 22 Jahren

Zum Ende des Jahres begleiten wir ein besonders kontrovers diskutiertes Bauprojekt. In Germering bei München entwickelte sich in den letzten vier Jahren ein hitziger Diskurs zwischen Bürger:innen, Stadt und Eigentümer:innen zu Ressourcenverschwendung und ökologischen Alternativen einer Geschäftshausüberplanung. Architektonisch passt sich die City-Galerie gut in die Umgebung ein. Jedoch ist das 1998 erbaute Gebäude mit seinen 39 500 Kubikmetern umbauten Raum überdimensioniert und steht mittlerweile zum größten Teil leer. Die große Tiefgarage wird ebenso kaum genutzt.

Protest gegen den kompletten Abriss des Einkaufszentrums

Daher ist es verständlich und auch sinnvoll, das Objekt nach seinem zugeschriebenen Nutzen zu überplanen. Die Spanne der Möglichkeiten reicht hierbei von einer einfachen Umnutzung mit energetischer Sanierung bis hin zum kompletten Abriss und Neubau. Erste Vorschläge das Gebäude komplett abzureißen, rief jedoch schnell den Umweltbeirat der Stadt auf den Plan. Zu Recht. Art und Ausmaße der vorgeschlagenen Entwürfe stünden in keinem Verhältnis zur Lebensdauer von 22 Jahren. Und auch sonst ist ein ungeordneter Abriss aus zeitlicher und somit auch wirtschaftlicher Hinsicht oberflächlich betrachtet zwar günstiger, stellt aber in keiner Weise die nötige Sensibilität für seinen Einfluss auf Mensch und Umwelt dar. Das Verständnis für planetare Grenzen muss mitgedacht werden und so ist auch die Handlungsverantwortung der massiv Ressourcen verzehrenden linearen Bauwirtschaft mittlerweile nötiger als zuvor. Diesen Herausforderungen ist sich der Umweltbeirat als Bürgervertretung der Stadt in vollem Maße bewusst und fordert, alle vorgeschlagenen Entwürfe aus ökologischer Sicht zu bewerten.

Lösungen von Concular für den ökologisch-verträglichen Rückbau

Nun haben wir uns bei Concular der Mission verpflichtet, die Wiedernutzung von Baustoffen und -materialien im Bausektor in der Breite zu etablieren. Dazu haben wir ein Ökosystem an Instrumenten entwickelt, welches es ermöglicht jegliche Produkte aus Bestandsobjekten zu inventarisieren, bautechnisch und ökologisch zu bewerten und wieder an Neubauprojekte zu vermitteln. Unsere oberste Prämisse ist dabei, sie vor der Deponierung zu retten. Ressourcen bleiben somit im Kreislauf und werden nicht vernichtet oder unter erneutem Energieeinsatz aufwendig recycelt.

#1 Reuse Assessment: Kreislaufpotenzial bewerten

Dieser Ansatz stieß auch in Germering auf großes Interesse, sodass wir schließlich angefragt wurden, das Projekt zu begleiten. Mit den verantwortlichen Architekt:innen, Projektsteuerer:innen und Eigentümer:innen konnten wir Ende November aktiv werden und in einer gemeinsame Begehung unser Reuse-Assessment durchführen. Mit dieser Methode stellen wir Zustand, Rückbaubarkeit und potenzielle Schadstoffbelastung relevanter Baustoffe fest und digitalisieren gleichzeitig das Inventar für den weiteren Prozess. Bei einem Geschäftshaus dieser Größe und Individualität dauert solch ein Assessment entsprechend seine Zeit. Wir durften aber von der Hilfe des Hausmeisters profitieren, der uns wertvolle Auskunft zur Bauhistorie und Zugang zu Bauplänen geben konnte.

#2 Digitale Materialpässe erstellen

Unsere entwickelte Datenbank beinhaltet verschiedenste Artikel. Diese reichen von Geländern und Treppen über diverse Glasprodukte und Verkleidungen hin zu Haus- und Beförderungstechniken. Die verhältnismäßig größte Ressourcenfracht in der Gebäudehülle ist für uns momentan nur sehr aufwendig rückbaubar. Der dabei verursachte Verlust von Qualität und spezifischen Eigenschaften der Materialien hemmt bisher die Weitervermittlung. Aber auch daran arbeiten wir bereits mit unseren Partner:innen. Denn wir sehen vor allem die fehlenden Erfahrungen mit rezyklierten Baustoffen als Herausforderung, der wir uns experimentierend entgegenstellen. Und das mit Erfolg! Mit unserem Online Marktplatz restado.de konnten wir bereits eine solide Datengrundlage zur Wahrscheinlichkeit der Wiederverwendung einzelner Produkte aufstellen. Dazu kommt wertvolle Expertise unserer Partner:innen zu Rückbaubarkeit und Schadstoffanalyse, die wir mit unserem Fachwissen in Sachen Ökobilanzierung und Umweltverträglichkeit ergänzen. Gemeinsam entwickeln wir daraus unseren Reusable Factor, mit dem final ein Algorithmus das aufgenommene Inventar clustert und bewertet.

#3 Materialvermittlung für weniger Abrisskosten

Ausgestattet mit allen Informationen, veröffentlichen wir eine Liste aller bewerteter Materialien und Produkte. Bei der anschließenden Vermittlung werden die Bedarfe unserer Kund:innen somit genau adressiert, sodass statischen, bauphysikalischen und ästhetischen Ansprüchen Rechnung getragen wird. Unabhängig des Planungsentwurfes für das Bestandsgebäude, erwirken wir in der Ökobilanzierung also bereits eine Gutschrift durch die Menge wiederverwendeter Materialien.
Und wer weiß, vielleicht ist bei einer erneuten Nutzungsänderung in den nächsten 30 Jahren der Großteil oder sogar die gesamte neue City-Galerie zu 100 Prozent wiederverwendbar. Wir würden uns als DGNB-Mitglied in jedem Fall darüber freuen.

Wenn auch Sie spannende Projekte haben, dann kontaktieren Sie uns…