Was ist die DGNB-Zertifizierung?
Das DGNB-System ist kein reines Öko-Label. Es bewertet nicht nur ökologische Aspekte, sondern folgt einem ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz. Ein Gebäude wird über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg – von der Rohstoffgewinnung bis zum Rückbau – anhand von sechs Kernthemen analysiert:
- Ökologische Qualität: CO₂-Fußabdruck, Ressourceneinsatz, Biodiversität.
- Ökonomische Qualität: Lebenszykluskosten (LCC), Wertstabilität, Flexibilität der Nutzung.
- Soziokulturelle & Funktionelle Qualität: Gesundheit, Komfort, Barrierefreiheit, architektonische Qualität.
- Technische Qualität: Rückbaufreundlichkeit, Schallschutz, Brandschutz.
- Prozessqualität: Qualität der Planung, Baustellenabwicklung, Qualitätssicherung.
- Standortqualität: Verkehrsanbindung, Umfeld, Mikrostandort (wird separat ausgewiesen).
Auszeichnungsstufen und Erfüllungsgrade
Je nach Erfüllungsgrad der Kriterien vergibt die DGNB Zertifikate in vier klassischen Stufen. Maßgeblich ist hierbei der Gesamterfüllungsgrad sowie ein Mindesterfüllungsgrad in den einzelnen Themenfeldern:
- Platin: Ab einem Gesamterfüllungsgrad von 80 % (höchste Auszeichnung, setzt exzellente Werte in allen Kategorien voraus).
- Gold: Ab einem Gesamterfüllungsgrad von 65 % (Standard für viele moderne Core-Immobilien).
- Silber: Ab einem Gesamterfüllungsgrad von 50 %.
- Bronze: Ab einem Gesamterfüllungsgrad von 35 % (wird ausschließlich für Bestandsgebäude im laufenden Betrieb vergeben).
Zusätzlich vergibt die DGNB die „DGNB Diamant“-Auszeichnung für herausragende gestalterische und baukulturelle Qualität sowie das „Klimapositiv“-Zertifikat für Gebäude, die im Betrieb nachweislich weniger Treibhausgase ausstoßen, als sie durch eigene Produktion oder Kompensation einsparen.
Was bedeutet die DGNB-Zertifizierung für die Bauwirtschaft?
Die Zertifizierung ist längst kein „Nice-to-have“ mehr, sondern ein zentraler Marktfaktor. Für die verschiedenen Akteure der Wertschöpfungskette ergeben sich handfeste Vorteile und Pflichten:
1. Für Bestandshalter & Investoren
- Zukunftssicherheit & ESG-Compliance: Zertifizierte Gebäude erfüllen nachweislich strenge Nachhaltigkeitskriterien und sind damit „taxonomiekonform“ gemäß den EU-Vorgaben.
- Risikominimierung: Höhere Resilienz gegen regulatorische Verschärfungen (z. B. CO₂-Bepreisung, Embodied Carbon Grenzwerte).
- Wertsteigerung: Höhere Marktwerte, bessere Vermietbarkeit und geringere Leerstandsquoten („Green Premium“).
2. Für Planende, Architekten & Ingenieure
- Klarer Leitfaden: Das DGNB-System dient als konkretes Werkzeug, um Nachhaltigkeitsziele von der ersten Skizze an messbar in den Entwurf zu integrieren.
- Wettbewerbsvorteil: Fachwissen im Bereich DGNB (z. B. als DGNB Consultant/Auditor) wird bei Ausschreibungen immer häufiger zwingend vorausgesetzt.
- Fokus auf Lebenszyklus: Planende werden motiviert, in Lebenszykluskosten (LCC) und Ökobilanzen (LCA) statt nur in reinen Investitionskosten zu denken.
3. Für Bauunternehmen & Generalunternehmer
- Qualitätssicherung: Die strengen Anforderungen an die Prozessqualität minimieren Fehler auf der Baustelle und sichern eine lückenlose Dokumentation (z. B. beim Schadstoffmonitoring der eingesetzten Materialien).