Vom Daten-Dschungel zur vergleichbaren Ökobilanz
Die Bau- und Immobilienbranche steht vor der Herausforderung, den CO2-Ausstoß über den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden radikal zu senken. Mit dem Inkrafttreten des neuen Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG), welches das GEG ablöst und die europäische Gebäudeeffizienzrichtlinie in nationales Recht überführt, rückt die ganzheitliche Ökobilanzierung (LCA) endgültig in den Fokus der Baupraxis. Bislang fehlte es in der Praxis jedoch oft an eindeutigen, national harmonisierten Regeln, um Ergebnisse transparent zu vergleichen.
Genau diese Lücke schließt die DIN SPEC 91606. Sie konkretisiert die Spielräume bestehender Normen (wie der DIN EN 15978) und legt klare Regeln für den deutschen Markt fest. Das Besondere: Sie betrachtet nicht nur die Planungsphase, sondern definiert im normativen Anhang A exakte Vorgaben für Treibhausgas-Bilanzen mit dem Status „wie gebaut“ zum Zeitpunkt der Fertigstellung. Damit schließt sich der Kreis von der ersten ökologischen Bilanzierung im Entwurf bis zum rechtssicheren Nachweis des realisierten Bauwerks.
Ein zukunftsweisender Standard – mit Concular entwickelt
Als Spezialist für zirkuläres Bauen und hochwertige Materialkreisläufe war Concular aktiver Teil des Erarbeitungskonsortiums der DIN SPEC 91606. Unsere Praxiserfahrung aus der datenbasierten Materialerfassung und ökologischen Bewertung ist direkt in die Ausformulierung der Bilanzierungsregeln geflossen.
Ein zentrales Anliegen der Standardisierung war die Definition einer klaren Datenhierarchie sowie das Ende von Schätzungen bei zirkulären Maßnahmen. Wird im Sinne der Kreislaufwirtschaft im Bestand saniert oder auf wiederverwendete Produkte gesetzt, wird die Herstellungsphase nicht mehr pauschal übersprungen. Stattdessen fließen Aufbereitung und Transport ab sofort exakt und real in die Bewertungssysteme (DGNB, QNG) ein.
Was die DIN SPEC 91606 konkret leistet
Die DIN SPEC 91606 übersetzt komplexe lebenszyklusbasierte Umweltwirkungen in ein klar strukturiertes, anwenderfreundliches System. Sie macht die „grauen Emissionen“ von der Rohstoffgewinnung bis zum Rückbau präzise messbar.
Konkret schafft sie:
- Eine einheitliche Methodik zur Bestimmung des Lebenszyklus-Treibhauspotenzials
- Klare LCA-Klassen (K1 bis K8), die auf Basis des deutschen Bauwerkszuordnungskatalogs typischen Gebäudekategorien zugeordnet werden.
- Strukturierte Informationsmodule (A1–A5, B1–B8, C1–C4, D), die den fiktiven Lebensweg des Gebäudes lückenlos abbilden.
- Neue zirkuläre Pflichtgrößen: Das Recyclingpotenzial am Lebensende sowie der biogene Kohlenstoffgehalt (ausgewiesen in kg C) müssen künftig detailliert deklariert werden.
- Die Anbindung an die DABi („Sammlung von Daten und Arbeitshilfen“), wodurch externe Faktoren wie Re-Karbonatisierungseffekte oder F-Gase einheitlich berücksichtigt werden.
- Verbindliche Mindestanforderungen an digitale Berichte und XML-Schnittstellen für LCA-Software.
Anstelle isolierter Schätzungen entsteht ein nachvollziehbarer Nachweisprozess, der Investoren, Planern und Behörden absolute Rechtssicherheit bietet.
Der Prozess hinter der Bilanzierung
Die DIN SPEC 91606 begleitet Ihr Bauvorhaben von der Bedarfsplanung bis in die Nutzungsphase. Der Ablauf gliedert sich in drei wesentliche Kernbereiche: