Der Brückenbauer zwischen Code und Bausektor: Mauricio Bustamante über Softwareentwicklung für die Kreislaufwirtschaft bei Concular
Wer Software für die Baubranche entwickelt, steht vor einer ganz besonderen Herausforderung: Auf der einen Seite steht der physische Rohbau aus Beton, Holz und Stahl – unhandlich, berührbar und extrem starr. Auf der anderen Seite steht digitaler Code – flexibel, ungreifbar und in ständigen Schleifen denkend. Im Zeitalter des klimagerechten Bauens müssen diese zwei Welten jedoch dringend zueinanderfinden. Denn ohne digitale Daten wird ein Bestandsgebäude beim Abriss schlicht zu Bauschutt; erst durch Transparenz wird es zum wertvollen Ressourcenlager.
Genau an dieser Schnittstelle arbeitet Mauricio als leitender Entwickler im Software-Team von Concular. Für ihn geht es bei seiner täglichen Arbeit vor allem um Eines: Ideen praxistauglich auf den Bildschirm zu bringen. „Ich sorge dafür, dass Software bei Concular zur Tür hinausgeht“, erklärt er seinen Job im Kern. „Das bedeutet, dass ich den gesamten Bogen spanne, vom ersten Design und der Logikplanung über das Coden und Testen bis hin zum finalen Release an die Nutzer:innen.“
Internationaler Erfahrungsschatz für die grüne Bautransformation
Dass Mauricio heute digitale Werkzeuge für den Wandel im Bausektor entwickelt, ist das Ergebnis eines internationalen Werdegangs. Nach seinem Studium des Informatics Engineering im Süden Chiles, ein Studiengang, der tiefes Informatikwissen mit Projektmanagement verbindet, sammelte er über sechs Jahre lang Erfahrung in der dynamischen Tech-Szene Südamerikas. Er entwickelte mobile Apps für den US-Markt, bevor er in eine renommierte Unternehmensberatung wechselte. „Das war eine unheimlich intensive Zeit mit Meetings, Kundenkontakt und echten Business-Einsätzen. Man musste als Entwickler im schnellen Geschäft sehr schnell erwachsen werden“, blickt er zurück. Nach Stationen in der US-Medizintechnik und als selbstständiger Entwickler zog er schließlich nach Deutschland – und fand innerhalb nur einer Woche seinen Weg ins Team von Concular.
Diesen reichhaltigen Erfahrungsschatz bringt Mauricio heute gezielt in die grüne Bautransformation ein. Er versteht sich nicht nur als Programmierer, sondern als Übersetzer zwischen betriebswirtschaftlichen Zielen und technischer Machbarkeit: „Einige Entwickler:innen blicken rein auf das Business, andere nur auf den Code. Ich stehe in beiden Welten. Mein größter Vorteil ist es, komplexe technische Zusammenhänge so herunterzubrechen, dass wir gemeinsam die richtigen Entscheidungen treffen können.“
Im Vergleich zur rein gewinnorientierten US-Tech-Kultur schätzt er bei Concular den ganzheitlichen europäischen Ansatz. Zirkuläres Bauen lässt sich schließlich nicht mit isolierten Insel-Lösungen durchsetzen, sondern erfordert das Zusammenspiel vieler Akteure. Concular verbindet daher Bauprojekte mit wissenschaftlicher Forschung, politischer Transformation und digitaler Innovation.
Daten als Schlüssel für zirkuläre Baustoffe
Welche Hebelkraft Software für den Wandel zu nachhaltigen Städten besitzt, wird an Mauricios Lieblingsbeispiel deutlich: „Ein Ziegelstein ist ohne digitale Informationen erst einmal nur ein stummes Objekt. Erst wenn wir ihn mit Daten anreichern – woher er kommt, welche Schadstoffe oder Qualitäten er besitzt und wohin er weitergegeben werden kann –, wird er für die Kreislaufwirtschaft nutzbar. Die Software schafft überhaupt erst die Transparenz und das Vertrauen, das Architekt:innen und die Bauherrschaft brauchen, um Baumaterial wieder einzusetzen.“
Mauricios aktueller Fokus: Die Entwicklung der zentralen Concular-Plattform. Während früher isolierte Werkzeuge wie die Pre-Deconstruction-Audit-App (PDA) für Gebäudeinventarisierungen genutzt wurden, entsteht nun ein integriertes Ökosystem. Es bündelt Materialanalysen, Marktplatz-Funktionen und digitale Bauteil-Zwillinge an einem Ort.
Pragmatische Entwicklung und reale Baupraxis
Die Kunst der Entwicklung liegt für Mauricio darin, den berüchtigten „Scope Creep“ zu bändigen, also das Risiko, dass die riesige Vision des zirkulären Bauens das Softwareprojekt erdrückt. „Wir müssen die großen Zukunftsziele in kleine, funktionierende Teilschritte zerlegen. Man kann nicht das ganze Ökosystem auf einmal bauen; wir müssen im Team diszipliniert priorisieren, um Schritt für Schritt echte Werkzeuge an die Baustelle zu liefern.“
Deshalb hört Mauricio in der Zusammenarbeit mit den operativen Teams, etwa den Circular Consultants oder den Auditor:innen auf den Demontageflächen, vor allem auf echte Hürden statt auf theoretische Wünsche. Wenn das Team auf der Baustelle an Grenzen stößt und das Software-Team dieses Problem löst, profitiert der gesamte Markt. In der Softwareentwicklung nennt man das Prinzip Dogfooding: Die eigene Software wird im eigenen Beratungsgeschäft auf Herz und Nieren getestet. „Wir machen Software, sind aber kein isoliertes Softwarehaus. Genau diese direkte Erdung in der realen Baupraxis treibt die Qualität unserer Systeme nach oben.“
Verantwortung im Zeitalter digitaler Infrastruktur
Auch der rasante Vormarsch von künstlicher Intelligenz prägt Mauricios Blick auf die Zukunft. KI beschleunigt das Erstellen von Code zwar drastisch, ersetzt aber nicht das menschliche Auge für Qualität und Verantwortung. Gerade wenn es um die Verlässlichkeit von Gebäudedaten und die Qualitätssicherung bei wiederverwendeten Baustoffen geht, braucht es erfahrene Entwickler:innen im Prozess.
Der gesellschaftliche und wirtschaftliche Druck auf die Baubranche wächst unaufhaltsam und steigende Materialpreise und Rohstoffknappheiten machen das Bauen im Bestand alternativlos. Mauricios täglicher Einsatz stellt sicher, dass die digitale Infrastruktur von Concular bereitsteht, um diesen Wandel in die breite Praxis zu tragen.
Ein Ziegelstein ist ohne digitale Informationen erst einmal nur ein stummes Objekt. Erst wenn wir ihn mit Daten anreichern – woher er kommt, welche Schadstoffe oder Qualitäten er besitzt und wohin er weitergegeben werden kann –, wird er für die Kreislaufwirtschaft nutzbar