Zirkuläres Bauen: Definition, Prinzipien, Praxis

Bestand ist das Rohstofflager von morgen

Was zirkuläres Bauen bedeutet, welche Regeln 2026 gelten und wie Sie Bauteile erfassen, wiederverwenden und bilanzieren – mit Beispielen aus über 1.000 Concular-Projekten.

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Was ist zirkuläres Bauen?

Zirkuläres Bauen bedeutet, Gebäude, Bauteile und Baustoffe so zu planen, zu nutzen und zurückzubauen, dass sie möglichst lange und auf höchstem Wert im Kreislauf bleiben. Statt nach dem Prinzip „bauen, nutzen, abreißen, deponieren“ werden Bestand erhalten, Bauteile wiederverwendet und Materialien erst zuletzt recycelt.

Der Ansatz ersetzt das lineare Modell, in dem Rohstoffe abgebaut, verbaut und nach der Nutzung als Bauschutt entsorgt werden. Im zirkulären Modell endet ein Gebäude nicht als Abfall, sondern ist der Ausgangspunkt für neue Nutzungen: Bauteile werden nach dem Rückbau direkt wiederverwendet, repariert oder aufbereitet und nur dann stofflich verwertet, wenn keine höherwertige Nutzung möglich ist.

Abgrenzung zu Kreislaufwirtschaft und Recycling

  • Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) ist das übergeordnete Wirtschaftsprinzip für alle Branchen. Zirkuläres Bauen ist ihre Anwendung auf Planung, Bau, Betrieb und Rückbau von Gebäuden. Den branchenweiten Überblick gibt unser Artikel Circular Economy in der Baubranche.
  • Recycling ist nur ein Baustein davon – und in der Rangfolge nicht der erste. Beim Recycling wird ein Bauteil zerkleinert oder eingeschmolzen und verliert seine Form. Bei der Wiederverwendung (Re-Use) bleibt es als Ganzes erhalten. Mehr dazu im Beitrag Recycling von Baumaterialien.

Die Kernidee: Gebäude als Materiallager

Jedes bestehende Gebäude enthält Bauteile und Materialien, in deren Herstellung bereits Energie und Emissionen geflossen sind – die sogenannte graue Energie. Wer weiß, was in welcher Menge und Qualität verbaut ist, kann diesen Bestand als Rohstofflager nutzen, statt neue Primärrohstoffe abzubauen. Genau dieses Prinzip steht hinter Urban Mining: Der Gebäudebestand von heute ist die Materialquelle für die Gebäude von morgen.

Warum zirkuläres Bauen?

Die Bauwirtschaft bindet rund die Hälfte der in der EU abgebauten Rohstoffe, und Bau- und Abbruchabfälle sind der größte Abfallstrom in Deutschland. Damit ist der Bausektor ein zentraler Hebel für Ressourcen- und Klimaschutz.

Ressourcen, Abfall und CO₂ in Zahlen

  • Rohstoffe: Laut EU-Kommission entfallen auf die gebaute Umwelt rund 50 % aller in der EU abgebauten Rohstoffe.
  • Abfall in der EU: Der Bausektor verursacht mehr als 35 % des gesamten Abfallaufkommens in der EU.
  • Abfall in Deutschland: 2024 fielen nach Angaben des Umweltbundesamts rund 182,8 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfälle an – 50,4 % des gesamten Brutto-Abfallaufkommens.
  • Emissionen: Gebäude und Bauwirtschaft verursachen laut Global Status Report des UN-Umweltprogramms (UNEP) 2024/2025 rund 34 % der weltweiten CO₂-Emissionen.

Die hohen Verwertungsquoten in Deutschland täuschen über die Qualität der Kreisläufe hinweg: Ein großer Teil mineralischer Bauabfälle wird verfüllt oder im Straßen- und Erdbau eingesetzt. Die rund 75,3 Millionen Tonnen Recycling-Baustoffe deckten 2022 nur 13,3 % des Bedarfs an Gesteinskörnungen in Deutschland. Der Rest stammt weiterhin aus Kies, Sand und Naturstein.

Graue Energie wird wichtiger

Je effizienter Gebäude im Betrieb werden, desto größer wird der Anteil der Emissionen, die in Herstellung, Transport, Bau und Abriss stecken. Energieeffizienz allein reicht deshalb nicht aus. Wer Bestand erhält und Bauteile wiederverwendet, spart diese Emissionen ganz oder teilweise ein.

Kosten- und Risikoargumente

  • Versorgungssicherheit: Primärrohstoffe wie Sand und Kies sind regional knapp oder schwer genehmigungsfähig abzubauen; globale Lieferketten haben sich als störanfällig erwiesen. Ein als Rohstofflager genutzter Bestand macht unabhängiger.
  • Entsorgungskosten: Bauteile, die erfasst und vermittelt werden, müssen nicht deponiert werden.
  • Finanzierung und Wertstabilität: Banken und Investoren fragen Nachweise nach EU-Taxonomie an. Gebäude, die künftigen Anforderungen nicht genügen, drohen als Stranded Assets an Wert zu verlieren.
  • Regulatorik: Lebenszyklus-Bilanzen, Produktpässe und Dokumentationspflichten nehmen zu (siehe unten). Wer früh Daten erhebt, ist vorbereitet.

Prinzipien und R-Strategien

Zirkuläres Bauen folgt einer klaren Rangfolge: Je näher eine Nutzung an der ursprünglichen Funktion bleibt, desto mehr Material, Energie und Wert bleiben erhalten. Rechtlich verankert ist diese Rangfolge in der fünfstufigen Abfallhierarchie des Kreislaufwirtschaftsgesetzes (§ 6 KrWG): Vermeidung, Vorbereitung zur Wiederverwendung, Recycling, sonstige Verwertung und zuletzt Beseitigung.

Die R-Strategien im Bauwesen

  1. Reduce – Vermeiden: Erhalt, Umbau und Umnutzung statt Abriss; schlanke Tragwerke mit weniger Material.
  2. Re-Use – Wiederverwenden: Ausgebaute Bauteile werden in ihrer Form und Funktion erneut eingesetzt, etwa Türen, Systemtrennwände, Leuchten oder Ziegel. Ablauf und Recht erklärt unser Artikel zur Wiederverwendung von Baumaterialien.
  3. Repair – Reparieren: Defekte werden gezielt behoben, zum Beispiel neue Dichtungen für eine Tür.
  4. Refurbish – Aufbereiten: Komponenten werden ausgetauscht und Bauteile an heutige Standards angepasst, etwa Leuchten, die auf LED umgerüstet werden.
  5. Recycle – Stofflich verwerten: Materialien werden zu Sekundärrohstoffen verarbeitet, wenn eine Wiederverwendung technisch oder wirtschaftlich nicht möglich ist.

Konkrete Beispiele je Material finden Sie im Beitrag Reuse und Recycling von Baumaterialien, Besonderheiten bei Holz im Artikel zur Wiederverwendung von Holzbauteilen.

Design for Disassembly

Neubauten werden so geplant, dass sie sich später zerstörungsfrei rückbauen lassen: lösbare, mechanische Verbindungen statt Verklebungen, sortenreine Konstruktionen statt Verbundwerkstoffen, anpassungsfähige Grundrisse und Tragwerke. Was heute verschraubt wird, ist morgen ein wiederverwendbares Bauteil.

Materialgesundheit

Nur schadstofffreie Bauteile lassen sich wieder einsetzen. Asbest, teerhaltige Bestandteile, alte Mineralwolle oder Holzschutzmittel schließen eine Wiederverwendung aus oder machen sie aufwendig. Eine fundierte Schadstofferkundung gehört deshalb an den Anfang jedes Rückbaus. Im Neubau gilt umgekehrt: Wer schadstoffarme Produkte wählt, sichert die spätere Kreislauffähigkeit.

Dokumentation: Materialpass und Gebäuderessourcenpass

Ohne Information keine Wiederverwendung. Ein Materialpass dokumentiert Materialien, Mengen, Zustand, Verbindungsart und Rückbaubarkeit eines Produkts oder Bauteils; der Gebäuderessourcenpass bündelt diese Daten auf Gebäudeebene. Die Unterschiede der Begriffe erläutert unser Artikel Materialpass.

Rechtlicher Rahmen 2026

Zirkuläres Bauen ist kein rein freiwilliges Thema mehr. Eine allgemeine gesetzliche Pflicht, etwa zum Gebäuderessourcenpass oder zum Pre-Deconstruction Audit, gibt es in Deutschland bislang nicht. Mehrere Regelwerke machen Zirkularität aber zur Voraussetzung für Finanzierung, Förderung und Zertifizierung.

EU-Taxonomie

Die EU-Taxonomie (Verordnung (EU) 2020/852) definiert mit dem Umweltziel „Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft“ messbare Kriterien für Bauaktivitäten. Schon im Klimaschutz-Pfad müssen bei Neubau und Renovierung mindestens 70 % der nicht gefährlichen Bau- und Abbruchabfälle für die Wiederverwendung vorbereitet oder stofflich verwertet werden. Wer den wesentlichen Beitrag über die Kreislaufwirtschaft nachweist, braucht im Neubau 90 %, muss Höchstanteile an Primärrohstoffen einhalten und Materialien digital dokumentieren. Für Abbruch und Rückbau (Tätigkeit 3.3) ist ein Pre-Demolition Audit vorgeschrieben. Wiederverwendete Bauprodukte zählen dabei als null Prozent Primärrohstoff. Durch die Omnibus-I-Richtlinie (EU) 2026/470 sind direkt nur noch Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und über 450 Mio. Euro Nettoumsatz CSRD-berichtspflichtig – über Banken und Investoren erreichen die Kriterien aber weiterhin fast alle Projektentwickelnden. Details: EU-Taxonomie als Hebel für zirkuläres Bauen.

Bauproduktenverordnung (EU) 2024/3110

Seit 7. Januar 2025 in Kraft und grundsätzlich seit 8. Januar 2026 anwendbar. Sie bezieht gebrauchte Produkte ausdrücklich ein und schafft die Grundlage für einen digitalen Produktpass für Bauprodukte; konkrete Pflichten werden produktgruppenweise über delegierte Rechtsakte festgelegt.

EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) und Lebenszyklus-GWP

Die Richtlinie (EU) 2024/1275 verlangt die Berechnung des Treibhauspotenzials über den Lebenszyklus (GWP) ab 1. Januar 2028 für neue Gebäude mit mehr als 1.000 m² Nutzfläche und ab 1. Januar 2030 für alle Neubauten. Dafür werden belastbare Mengen- und Materialdaten benötigt – die Grundlage jeder zirkulären Ökobilanzierung.

Kreislaufwirtschaftsgesetz und Ersatzbaustoffverordnung

Das KrWG legt in § 6 die Abfallhierarchie fest. Im Juni 2026 hat das Bundesumweltministerium einen Referentenentwurf zur Novelle vorgelegt; das Verfahren läuft. Die Ersatzbaustoffverordnung regelt seit 1. August 2023 den Einbau mineralischer Ersatzbaustoffe; ein Referentenentwurf zu ihrer Novelle liegt seit Juli 2026 vor. Bis zum Abschluss der Verfahren gelten die aktuellen Fassungen. Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie vom Dezember 2024 behandelt Baustoffe als zentrales Handlungsfeld.

DGNB und QNG

Im DGNB-System für Neubauten (Version 2023) ist der Gebäuderessourcenpass im Kriterium TEC1.6 „Zirkuläres Bauen“ verankert: 35 Punkte für die reduzierte, 50 Punkte für die vollständige Fassung. Das DGNB Rückbauzertifikat bewertet den Rückbauprozess anhand von zwölf Kriterien. Das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) des Bundesbauministeriums ist an die Bundesförderung „Klimafreundlicher Neubau“ geknüpft; Voraussetzung ist eine Zertifizierung mit einem registrierten Bewertungssystem.

Zirkulär bauen in der Praxis: Ablauf in Schritten

Ob Bauteile ein zweites Leben bekommen, entscheidet sich lange vor dem ersten Baggereinsatz. In der Praxis hat sich folgender Ablauf bewährt – im Bestand ebenso wie bei Neubauten, die Re-Use-Bauteile aufnehmen.

  1. Bestandserfassung und Pre-Deconstruction Audit: Ein Pre-Deconstruction Audit nach DIN SPEC 91484 erfasst in zwei Stufen (Vorprüfung, Detailprüfung), welche Bauprodukte vorhanden sind, in welchem Zustand sie sich befinden und ob sie sich zerstörungsfrei ausbauen lassen. Parallel klärt eine Schadstofferkundung, was ausscheidet. Starten Sie spätestens etwa sechs Monate vor der Ausschreibung des Rückbaus. Mehr im Fachartikel zum PDA.
  2. Anschlussnutzungskonzept nach DIN SPEC 91525: Seit Februar 2026 legt dieser Standard Kriterien fest, um technische Machbarkeit, wirtschaftliche Zumutbarkeit und ökologisches Potenzial je Bauteil abzuwägen und daraus eine Entscheidung über Wiedereinbau vor Ort, externe Wiederverwendung oder Recycling abzuleiten.
  3. Abnehmer finden und Verwendungszweck festlegen: Bevor ausgebaut wird, sollte feststehen, wohin ein Bauteil geht – ins eigene Projekt, in ein anderes Objekt oder an Dritte. Das ist auch abfallrechtlich entscheidend: Ist der neue Verwendungszweck zum Zeitpunkt der Entnahme festgelegt und hinreichend gewiss, kann vermieden werden, dass das Bauteil zu Abfall wird.
  4. Selektiver Rückbau: Das Gebäude wird schichtweise und zerstörungsfrei zurückgebaut, Bauteile werden gekennzeichnet, geschützt und sortenrein getrennt.
  5. Bauteilvermittlung, Aufbereitung und Logistik: Prüfung, Reinigung oder Reparatur, möglichst kurze Zwischenlagerung und Vermittlung über digitale Marktplätze wie die Concular Plattform. Eigene Materialien können Bauherrschaften auch über eine Bauteilbörse anbieten.
  6. Planung und Ausschreibung mit Re-Use: Planende arbeiten mit den verfügbaren Abmessungen und Mengen („Design follows availability“). Der Einsatz gebrauchter Bauteile muss im Bauvertrag ausdrücklich vereinbart werden, denn die VOB/C (ATV DIN 18299, Abschnitt 2.3.1) verlangt sonst „ungebrauchte“ Stoffe und Bauteile. Tragende Bauteile benötigen derzeit in der Regel eine Zustimmung im Einzelfall.
  7. Ökobilanz und Gebäuderessourcenpass: Eine Ökobilanz macht sichtbar, wie viel CO₂ durch Erhalt und Re-Use eingespart wird, etwa mit der Software CircularLCA. Der Gebäuderessourcenpass dokumentiert die verbauten Materialien für Nutzung, Umbau und späteren Rückbau.
  8. Zertifizierung und Nachweise: Die gesammelten Daten fließen in DGNB-, QNG- und Taxonomie-Nachweise ein – siehe DGNB-Zertifizierung mit Concular.

Bestand und Neubau: was jeweils zählt

Zirkuläres Bauen hat zwei Blickrichtungen: den vorhandenen Bestand als Ressource nutzen und neue Gebäude so planen, dass sie selbst zum Materiallager werden.

Bauen im Bestand

Die wirksamste Strategie ist, gar nicht erst abzureißen. Erhalt, Umbau und Umnutzung sparen die graue Energie, die bereits in Tragwerk, Hülle und Ausbau steckt. Die EU-Taxonomie honoriert das: Bei einer Renovierung mit wesentlichem Beitrag zur Kreislaufwirtschaft müssen mindestens 50 % des ursprünglichen Gebäudes erhalten bleiben. Wo ausgebaut wird, liefert ein Pre-Deconstruction Audit die Datenbasis, um Bauteile vor Ort wieder einzubauen oder extern zu vermitteln. Häufige Re-Use-Kandidaten sind Systemtrennwände, Doppelböden, Türen, Leuchten, Heizkörper, Sanitärobjekte und Ziegel. Mehr dazu auf unserer Seite Bauen im Bestand.

Zirkuläre Planung im Neubau

Im Neubau fallen die Entscheidungen in den frühen Leistungsphasen: Materialwahl, Konstruktion und die Integration gebrauchter Bauteile. Wichtige Stellschrauben sind:

  • Re-Use-Bauteile und Recycling-Baustoffe wie R-Beton in der Ausschreibung ausdrücklich zulassen,
  • Primärrohstoffanteile senken – wiederverwendete Bauprodukte zählen in der Taxonomie als primärrohstofffrei,
  • Lebenszyklus-GWP früh berechnen und Varianten vergleichen,
  • Materialdaten aus BIM-Modell und Ausschreibung direkt in einen Gebäuderessourcenpass übernehmen.

Rückbaufähigkeit

Rückbaufähigkeit entscheidet, ob ein heutiger Neubau in Jahrzehnten Rohstofflager oder Bauschutt ist. Lösbare Verbindungen, zugängliche Schichten, standardisierte Abmessungen und eine gepflegte Dokumentation sorgen dafür, dass Bauteile später zerstörungsfrei gewonnen werden können. Die Taxonomie verlangt für Neubauten, dass Anpassungsfähigkeit und Rückbaubarkeit im Entwurf berücksichtigt werden; DGNB bewertet Demontagefähigkeit und Verwertungspotenzial im Gebäuderessourcenpass.

Wirtschaftlichkeit

Ist zirkuläres Bauen teurer? Die ehrliche Antwort: Es kommt auf das Projekt an. Zerstörungsfreier Ausbau, Prüfung, Lagerung und Planungsaufwand kosten Geld. Dem stehen vermiedene Entsorgungskosten, entfallender Neukauf und Erlöse aus vermittelten Bauteilen gegenüber. Wiederverwendung kann im Einzelfall auch unwirtschaftlich sein – deshalb lohnt eine frühe, belastbare Bewertung.

Ergebnisse aus Concular-Projekten

In diesen Projekten hat sich zirkuläres Vorgehen auch wirtschaftlich gerechnet:

  • Alte Stadtbücherei, Augsburg: Durch Erfassung und Vermittlung der Materialien wurden laut Bauherrschaft Deponiekosten von 500.000 Euro eingespart. Zum Projekt
  • Telekom-Tower, Konstanz: Für 450 m² Aluminiumfassade ergab die Wirtschaftlichkeitsrechnung bei Wiederverwendung ein Plus von ca. 2.000–3.000 Euro für die Bauherrin statt eines Minus von 10.000 Euro bei üblichem Rückbau und Recycling – bei ca. 25 t CO₂e Einsparung. Zum Projekt
  • Zirkuläres Büro für die Sika Gruppe: Laut Ökobilanz mit CircularLCA wurden durch die Integration wiedergewonnener Materialien 30.000 Euro und 18 t CO₂e eingespart. Zum Projekt
  • Box 18, Berlin: Im Co-Working Space sanken die Baukosten durch wiederverwendete Materialien um 20 %, die Bauzeit wurde um ein Drittel auf vier Wochen verkürzt. Zum Projekt
  • CENTRAL PARX, Frankfurt: Die vor der Sanierung ausgebauten und vermittelten Bauteile haben einen Gesamtwert von über 600.000 Euro. Zum Projekt

Was die Wirtschaftlichkeit bestimmt

  • Wiederverwendung im selben Projekt oder beim selben Eigentümer ist besonders günstig, weil Kaufvertrag und viele produktrechtliche Pflichten entfallen.
  • Hochwertige, standardisierte Bauteile in größerer Stückzahl lassen sich leichter vermitteln.
  • Früher Start: Wer Bauteile vor der Ausschreibung kennt, kann Abnehmer finden und Zwischenlager kurz halten.
  • Preisprinzip: Bei der Vermittlung durch Concular soll der Preis eines Re-Use-Bauteils den Neupreis eines vergleichbaren Produkts nicht übersteigen; die Mehrkosten für den zerstörungsfreien Rückbau sind darin enthalten.

Hinzu kommt nicht monetärer Nutzen: geringere Emissionen in der Ökobilanz sowie Beiträge zu DGNB, QNG und Taxonomie-Nachweisen, die wiederum Finanzierung und Vermarktung beeinflussen. Welche Förderprogramme es gibt, zeigt unsere Übersicht Förderungen für zirkuläres Bauen.

Beispiele aus der Praxis

Wie zirkuläres Bauen in unterschiedlichen Gebäudetypen funktioniert, zeigen diese Projekte, die Concular begleitet hat.

ICE City, Erfurt: rund 200.000 Ziegel für den Kreislauf

Für die Deutsche Bahn hat Concular den selektiven Rückbau historischer Ziegelbauten auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs begleitet – vom Pre-Deconstruction Audit über die Rückbaustrategie bis zur Aufbereitung der Ziegel vor Ort. Durch ihre Wiederverwendung können voraussichtlich 489 t CO₂e eingespart werden. Zum Projekt

Mercedes-Benz Arena, Stuttgart: Re-Use beim Tribünenumbau

Beim Umbau der Haupttribüne hat Concular Pfosten-Riegel-Fassaden, Geländer, Türen, Leuchten, WC-Trennwände und Tribünenstühle erfasst und an externe Abnehmer vermittelt. Auf Basis der tatsächlich vermittelten Materialien wurden ca. 136,84 t CO₂e eingespart. Zum Projekt

Hochhausbestand im Finanzsektor, Frankfurt: Sanierung statt Abriss

Für ein großes Finanzunternehmen hat Concular zwei Hochhäuser zirkulär bewertet – mit Bestandserfassung, Ökobilanz, Gebäuderessourcenpass und Variantenvergleich. Ermittelt wurde ein Einsparpotenzial von 50 Mio. kg CO₂e; auf dieser Grundlage fiel die Entscheidung für die Sanierung im Bestand. Zum Projekt

Wolf-Areal, Basel: 60 % Re-Use im Wohnungsneubau

Im Totalunternehmer-Wettbewerb der SBB Immobilien verantwortete Concular die zirkuläre Fachplanung. Der Entwurf sieht 60 % Re-Use-Anteil am Stahlbeton vor, indem Bestandsdecken zu Wiederverwendungsfertigteilen werden, und erhielt den 2. Preis. Zum Projekt

Filialrückbau im Lebensmitteleinzelhandel: Standardprozess mit DGNB Gold

Für eines der europaweit größten Handelsunternehmen hat Concular einen skalierbaren Standardprozess für den zirkulären Filialrückbau entwickelt – mit PDA nach DIN SPEC 91484, Anschlussnutzungskonzept und DGNB-Rückbauzertifikat in Gold. Zum Projekt

Zillestraße, Berlin: Re-Use beim Um- und Anbau

Beim Um- und Anbau eines Bürogebäudes hat Concular Bauteile erfasst, vor Ort wieder eingesetzt und extern vermittelt. Eingespart wurden ca. 29,548 t CO₂e. Zum Projekt

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Hochhausbestand im Finanzsektor, Frankfurt: Sanierung statt Abriss

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ICE City, Erfurt: rund 200.000 Ziegel für den Materialkreislauf

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CENTRAL PARX, Frankfurt: Re-Use im Wert von über 600.000 Euro

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Sika Gruppe: zirkuläres Büro mit 18 t CO₂e Einsparung

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Mercedes-Benz Arena, Stuttgart: Re-Use beim Tribünenumbau

So unterstützt Concular

Concular ist Marktführer für zirkuläres Bauen und Urban Mining in Deutschland. Aus über 1.000 Projekten wissen wir, welche Daten, Prozesse und Partner es braucht, damit aus Prinzipien gebaute Realität wird. Concular hat die DIN SPEC 91484 als Konsortialleiter initiiert und auch die DIN SPEC 91525 angestoßen. Seit 2012 vermitteln wir rückgewonnene Baustoffe, zunächst über den Marktplatz restado, heute über die Concular Plattform.

Unsere Leistungen im Überblick

Wir arbeiten für Bestandshalter, Projektentwickler, Planende und Hersteller – von Standorten in Berlin, Stuttgart, Dresden, Düsseldorf, Hamburg, Wien und München aus. Einen kompakten Einstieg bietet unser Leitfaden für zirkuläres Bauen.

Sie planen einen Umbau, Rückbau oder Neubau und möchten Kreislaufwirtschaft von Anfang an mitdenken? Sprechen Sie mit unserem Team – wir zeigen Ihnen, welche Strategien in Ihrem Projekt den größten Effekt haben.

Häufige Fragen zum zirkulären Bauen

Was ist zirkuläres Bauen?

Zirkuläres Bauen bedeutet, Gebäude, Bauteile und Baustoffe so zu planen, zu nutzen und zurückzubauen, dass sie möglichst lange und auf höchstem Wert im Kreislauf bleiben. Vorrang haben Erhalt und Wiederverwendung; Recycling kommt erst zum Zug, wenn keine höherwertige Nutzung möglich ist.

Was ist der Unterschied zwischen zirkulärem Bauen und Recycling?

Recycling ist nur ein Teil des zirkulären Bauens. Beim Recycling wird ein Bauteil zerkleinert oder eingeschmolzen und zu einem Sekundärrohstoff verarbeitet; bei der Wiederverwendung bleibt es als Ganzes erhalten. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz stellt Vermeidung und Vorbereitung zur Wiederverwendung in der Abfallhierarchie vor das Recycling.

Ist zirkuläres Bauen teurer?

Nicht zwangsläufig. Zerstörungsfreier Ausbau, Prüfung und Logistik verursachen Kosten, dem stehen vermiedene Entsorgungskosten, entfallender Neukauf und Erlöse aus Bauteilen gegenüber. In Concular-Projekten wurden etwa laut Bauherrschaft 500.000 Euro Deponiekosten (Alte Stadtbücherei Augsburg) oder 30.000 Euro (Sika) eingespart; im Einzelfall kann Neuware aber günstiger sein. Entscheidend ist eine frühe Bewertung.

Welche Vorschriften gibt es für zirkuläres Bauen?

Eine allgemeine Pflicht zum zirkulären Bauen gibt es nicht. Relevant sind vor allem die Abfallhierarchie des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, die Kriterien der EU-Taxonomie, die Bauproduktenverordnung (EU) 2024/3110 und die EU-Gebäuderichtlinie, die ab 2028 für große Neubauten eine Lebenszyklus-Treibhausgasbilanz verlangt. Hinzu kommen Zertifizierungen wie DGNB und QNG.

Was ist ein Pre-Deconstruction Audit?

Ein Pre-Deconstruction Audit nach DIN SPEC 91484 erfasst und bewertet vor Abbruch oder Umbau systematisch die Bauprodukte eines Gebäudes. Es zeigt in zwei Stufen, welche Bauteile sich wiederverwenden oder hochwertig recyceln lassen, und liefert die Daten für Rückbauplanung, Ausschreibung, Bauteilvermittlung und Zertifizierung.

Was ist ein Gebäuderessourcenpass?

Der Gebäuderessourcenpass dokumentiert auf Gebäudeebene Materialien, Mengen, Herkunft, Treibhausgasemissionen und Kreislauffähigkeit. Er ist in Deutschland nicht gesetzlich vorgeschrieben, bringt aber im DGNB-System Punkte und deckt die digitale Materialdokumentation ab, die die EU-Taxonomie für einen wesentlichen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft verlangt.

Dürfen gebrauchte Bauteile wieder eingebaut werden?

Ja, mit Vorbereitung. Im Bauvertrag muss der Einsatz gebrauchter Bauteile ausdrücklich vereinbart werden, da die VOB/C sonst ungebrauchte Stoffe verlangt. Je nach Bauteil sind Verwendbarkeitsnachweise nötig, bei tragenden Bauteilen derzeit in der Regel eine Zustimmung im Einzelfall. Schadstoffe müssen vorab ausgeschlossen werden.

Wie fange ich mit zirkulärem Bauen an?

Im Bestand beginnt zirkuläres Bauen mit einer Bestandserfassung, idealerweise einem Pre-Deconstruction Audit spätestens etwa sechs Monate vor der Rückbauausschreibung. Im Neubau sollten Sie Zirkularitätsziele, Re-Use-Anteile und Rückbaufähigkeit bereits in den frühen Leistungsphasen festlegen und in der Ausschreibung verankern.

Welche Unternehmen bieten zirkuläres Bauen an?

Zirkuläres Bauen ist Teamarbeit: Beteiligt sind Planungs- und Ingenieurbüros, Rückbau- und Bauunternehmen, Hersteller mit Rücknahmesystemen sowie spezialisierte Dienstleister. Concular begleitet Projekte als Marktführer von der Bestandserfassung per Pre-Deconstruction Audit über die Vermittlung wiederverwendbarer Bauteile bis zur zirkulären Fachplanung und zum Gebäuderessourcenpass – mit Standorten in Berlin, Stuttgart, Dresden, Düsseldorf, Hamburg, Wien und München.

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