Wie radikale Zirkularität im urbanen Bestand die Grenzen des Machbaren verschiebt: Concular war für die zirkuläre Konzeption und Fachplanung in einem starken interdisziplinären Team (gemeinsam mit u.a. Implenia Schweiz AG, der ARGE ATUERO & excessus studio sowie der ZPF Structure AG) beim vierstufigen Totalunternehmer-Wettbewerb für das Wolf-Areal (Baufeld MF05) in Basel verantwortlich. Unter dem Titel „Zirkulärer Wohnungsneubau mit Bauteilwiederverwendung – MF05“ errang der Entwurf den 2. Preis und lieferte den messbaren Beweis, dass eine On-Site-Wiederverwendung von Beton-Primärbauteilen im großmaßstäblichen Wohnungsbau gestalterisch konkurrenzfähig ist.
Die Vision: „Wolf-zu-Wolf“
Das Herzstück des Entwurfs basiert auf einer konsequenten On-Site-Wiederverwendungsstrategie. Getreu dem Prinzip „Design follows availability“ ging das Konzept weit über eine bloße Integration hinaus: Die gesamte architektonische Ausdruckskraft und Struktur des Neubaus wurden konsequent von den Materialien geleitet, die vor Ort als Ressource zur Verfügung standen.
Concular begleitete diesen Prozess mit einem ganzheitlichen zirkulären Leistungspaket von der ersten Bestandsaufnahme bis zu einem integralen und ausführungsreifen Konzept:
- Pre-Deconstruction Audit (PDA) & 10R-Studie: Systematische Erfassung des vorhandenen Güterbahnhof-Bestands zur Identifikation des maximalen Anschlussnutzungspotentials, Fokus auf Wiederverwendung vor Ort
Integrale Planung: In enger Abstimmung mit dem gesamten Team werden insbesondere die ressourcenintensiven Geschossdecken sowie Stahlbetonträger mit Re-Use-Stahlbeton-Elementen geplant. (Planung auf SIA Vorprojekt-Niveau) - Bauteilwiederverwendungskonzept: Drei Familien identitätsrelevanter Elemente bilden die Wohnungstypologien: 1.Ebene “Superstruktur “(Stahlbetonträger und Deckenplatten) – 2. Ebene “Unterstützung der Technologie” (z.B. Stahlkonstruktionen wie Balkone) – 3. Ebene “Wohnlichkeit” (z.B. Fenster, Natursteinbeläge)
- Urban Mining Planung mit Bauablaufplanung der Bestanderfassung, Analyse, selektiv-werterhaltender Rückbau, Aufbereitung und Wiedereinbau; In einer durchdachten Rückbaustrategie werden die Stahlbetondecken des Bestands in “Wiederverwendungsfertigteile” verwandelt.
Ergebnis:
Re-Use-Anteil am Stahlbeton: 60 %
Re-Use als architektonisches Stilmittel
Zielvorgabe GWP von 6,0 kg CO2-eq/m2 knapp erreicht
Bedeutung für die Praxis
Der Entwurf „WOLF GANG“ beweist im großen Stil, dass der Grundsatz „Design follows availability“ zu einer völlig neuen architektonischen Qualität im Wohnungsbau führt. Durch das bewusste Offenlegen der großmaßstäblichen, industriellen Betonbauteile als sichtbare „Superstruktur“ entsteht eine identitätsstiftende Quartierästhetik, die die Geschichte des Ortes authentisch weiterschreibt. Die vermeintliche Überdimensionierung des Bestandsmaterials wurde dabei gestalterisch als Chance genutzt, um außergewöhnliche, hochflexible Grundrisse für moderne Wohnformen zu entwickeln. Kombiniert mit einer authentischen Materialität ohne zusätzliche Verkleidungen konnten so über 250 Tonnen CO₂-Äquivalent an grauen Emissionen eingespart werden. Das Projekt liefert damit den entschiedenen Machbarkeitsbeweis, dass radikale Zirkularität auch in strengen Wettbewerbsverfahren auf absolutem gestalterischen Top-Niveau überzeugt.
Visualisierung: Studio Olivier Campagne / Architektur: ARGE ATUERO & excessus studio
Ort
Basel
Jahr
2026
Auftraggeber:in
SBB AG - Schweizerische Bundesbahnen SBB Immobilien Development Region Mitte
Partner
Implenia Schweiz AG, ARGE ATUERO & excessus studio, ZPF structure AG, Encira, riedli-facades gmbh, Waldhauser + Hermann AG, Pro Engineering AG, Schmutz+Partner AG, Kasburg Siemon Ingenieure, Kuster + Partner AG, Studio Olivier Campagne, JAM images