Neben dem Erhalt von zwei Bestandsgebäuden steht auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs in Erfurt der selektive Rückbau im Mittelpunkt. Für den entstehenden neuen DB Campus wurden rund 200.000 Ziegel aus drei unterschiedlichen Gebäuden behutsam zurückgebaut – mit dem Ziel, möglichst viele der historischen Steine zu erhalten, aufzubereiten und erneut in den Materialkreislauf zu bringen. Bereits in einer frühen Projektphase wurde Concular beauftragt, das Materialpotenzial der Bestandsgebäude detailliert zu erfassen und zu bewerten. Grundlage bildete ein umfassendes Pre-Deconstruction Audit (PDA), bei dem alle relevanten Bauteile digital dokumentiert und analysiert wurden. Der anschließende Circularity Potential Report zeigte auf, wie groß das Wiederverwendungspotenzial tatsächlich ist und welche ökologischen Vorteile durch den Einsatz zirkulärer Strategien erzielt werden können.

Von der Bestandsaufnahme zum Materialkreislauf

Im Mittelpunkt der Untersuchung standen die massiven Ziegelbauten auf dem Areal. Die Ziegel, größtenteils noch aus der Vorkriegszeit, wurden hinsichtlich ihrer Wiederverwendbarkeit
und Materialqualität analysiert. Concular entwickelte hierfür eine detaillierte Strategie, um den Rückbau möglichst ressourcenschonend zu gestalten und die Ziegel für eine zweite
Nutzung vorzubereiten.

Im dritten Quartal 2024 begann der selektive Rückbau des ersten Gebäudes (Güterschuppen 2), bei dem rund 100.000 Ziegel aus dem Mauerwerk gelöst und in drei
Haufwerken zwischengelagert wurden. Unter Leitung von Concular erfolgte die Aufbereitung vor Ort mit gezielten Rückbau- und Sortiermaßnahmen.

Trotz Materialbruch konnten tausende Ziegel erfolgreich für die Wiederverwendung gesichert werden.

2025 CON ICE CITY Erfurt c Christopher Schmid 4

Ergebnisse und Wirkung

Die zirkuläre Strategie zahlt sich aus: Durch die Wiederverwendung der Ziegel können voraussichtlich 489 t CO2-e eingespart werden. 3 Jahre könnte ein voll ausgelasteter ICE 4, zwischen Berlin HBF und Erfurt HBF hin und her pendeln bis die Emissionen aus den eingesparten Ziegeln erreicht würden.

Diese beeindruckende Zahl steht für die enorme ökologische Wirkung von Materialwiederverwendung und zeigt, wie groß der Hebel im Bausektor ist, wenn Abbruch durch Urban Mining und Wiederverwertung ersetzt wird.

Neben der CO₂-Einsparung wurden auch der Verbrauch nicht erneuerbarer Primärenergie und Frischwasser deutlich reduziert. Damit leistet das Projekt einen messbaren Beitrag zu den Klimazielen der Deutschen Bahn und zur Transformation des Bauwesens hin zu einer zirkulären Wertschöpfungskette.

Vielen Dank an das Concular-Team für die hervorragende Zusammenarbeit. Dieses DB-Projekt zeigt eindrucksvoll, welches große Potenzial im nachhaltigen Umgang mit Bestandsmaterialien steckt. Ich freue mich schon jetzt auf die zukünftige Integration der historischen Ziegel im Innen- und Außenbereich des Geländes der ICE City bzw. des DB Campus.

Alexander Gawron, Deutsche Bahn

Zirkuläre Vorgehensweise in der Praxis

Der Rückbau der Bestandsgebäude bot die Gelegenheit, zirkuläre Prinzipien konkret umzusetzen. Concular begleitete diesen Prozess bezüglich Ressourcenerhalt und
Wiederverwendung. Durch den Einsatz digitaler Tools, datenbasierter Analysen und gezielter Beratung konnte der Materialfluss während des Rückbaus optimiert werden, selbst
bei Bauteilen, die ursprünglich nicht für eine selektive Demontage vorgesehen waren.

Die Ziegel wurden vor Ort manuell gereinigt, nach Qualität sortiert und anschließend auf Paletten gelagert und umwickelt, um sie langfristig zu schützen. So wird aus einem
klassischen Rückbau ein aktiver Beitrag zur Kreislaufwirtschaft und ein Beispiel dafür, wie durch technische Präzision und zirkuläres Denken neue Werte aus Bestand geschaffen
werden.

2025 CON ICE CITY Erfurt c Christopher Schmid 3

Ein Schritt in die Zukunft des Bauens

Projekte wie dieses zeigen, dass nachhaltige Bauprojekte nicht nur durch den Einsatz neuer Technologien, sondern vor allem durch den intelligenten Umgang mit bestehenden
Ressourcen gelingen.

Durch digitale Tools, fundierte Materialanalysen und einer klaren zirkulären Strategie hat Concular dazu beigetragen, den Rückbau als Teil eines größeren Materialkreislaufs zu verstehen. Statt Abbruch entsteht ein Prozess des Wiederverwendens, Weiterdenkens und Wertschöpfens.

Die ICE City Erfurt steht damit beispielhaft für die Integration von Kreislaufwirtschaft in Bauprojekte großer öffentlicher Akteure und zeigt, wie Daten, Technologie und
Materialexpertise zusammenwirken, um den ökologischen Fußabdruck von Bauprojekten nachhaltig zu verringern.

 

 

 

 

Bilder: Christopher Schmid