Zwischen Forschung und Baustelle: Wie Luise von Zimmermann Innovationen bei Concular praxistauglich macht
Wenn man mit Luise über ihre Arbeit bei Concular spricht, merkt man schnell, dass Forschung für sie alles andere als ein theoretischer Elfenbeinturm ist. Co-Lead im Bereich Forschung & Entwicklung – einem zentralen Pfeiler des Concular-Leistungsspektrums Wissen & Transformation – bewegt sie sich an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Technologie und konkreter Baupraxis.
„Wenn ich jemandem, der noch nie von zirkulärem Bauen gehört hat, meinen Job erklären müsste, klingt das im Prinzip ganz einfach“, erzählt Luise schmunzelnd. „Wir machen zirkuläres Bauen, sparen Ressourcen sowie Emissionen ein und führen Materialien zurück in den Kreislauf. Aber die Realität ist: Die Umstellung auf zirkuläres Bauen braucht neue Lösungen. Mit Forschung und Entwicklung probieren wir genau die Schritte aus, die in einem normalen Bauprojekt sonst schlichtweg zu risikoreich wären.“
Vom traditionellen Architekturtraum zur zirkulären Haltung
Luises Weg in die zirkuläre Wirtschaft war dabei keine geradlinige Punktlandung, sondern das Ergebnis wachsender Erkenntnis. Sie studierte Architektur in Berlin und Sydney und wollte ganz traditionell als Entwurfsarchitektin arbeiten. Die Faszination für die Komplexität des Bauens war von Anfang an da, und nach dem Studium arbeitete sie unter anderem an der Universität der Künste (UdK) in Berlin und selbständig als Planerin. Doch bereits bei ihrer ersten Station als Werkstudentin im Architekturbüro erlebte sie eine ernüchternde Überraschung. Bei einem gewonnenen Wettbewerb musste sie mit ansehen, wie im Prozess schrittweise fast alle geplanten Nachhaltigkeitsaspekte gestrichen wurden. „Erst im Laufe der Zeit wurde mir wirklich bewusst, wie gigantisch der Einfluss des Bauens auf unsere Umwelt tatsächlich ist. Ich habe mich dann gezielt nach Möglichkeiten umgeschaut, wie man das ganz konkret und grundlegend ändern kann.“
Nach einer kurzen Phase als selbstständige Architektin fand Luise den Weg zu Concular. In der Anfangsphase zeichnete sich ihre Arbeit vor allem durch den Pioniergeist der Startup-Welt aus: „Damals haben wir im Team gefühlt alle alles gemacht: Von Business Development über die Akquise und Durchführung von Projekten bis hin zu den ersten Förderanträgen.“ Mit dem Wachstum von Concular konnte sie sich schließlich voll und ganz auf ihr Steckenpferd fokussieren: die angewandte Forschung und Innovation.
Werkzeuge aus der Praxis für die Praxis
Eine ihrer größten Herausforderungen war gleichzeitig einer ihrer wichtigsten Erfolge bei Concular: die Mitentwicklung von CircularLCA. „Der Anfang war alles andere als leicht“, erinnert sich Luise. „Meine Aufgabe war es, erste Anwendungsfälle im echten Planungsalltag zu finden und zu testen, was in der Praxis überhaupt sinnvoll ist. Es war faszinierend zu sehen, wie schwierig das Thema am Anfang war – aber auch, wie genial das Ergebnis schlussendlich geworden ist. Dadurch, dass wir das Feedback aus der Praxis direkt in die Produktentwicklung zurückgespult haben, ist das Werkzeug heute immens viel besser.“
Genau diese direkte Rückkopplung unterscheidet die Forschung bei Concular von klassischen Universitätsprojekten. Wenn Luise Förderprojekte und Innovationen betreut, arbeitet sie in interdisziplinären Konsortien zusammen, also mit Akteuren aus der gesamten Wertschöpfungskette, von Hochschulen und Ministerien über Materialprüfanstalten bis hin zu klassischen Architekturbüros.
„Bei Forschungsprojekten spielt es heute eine immer größere Rolle, dass man einen klaren Verwertungsplan hat“, betont Luise. „Es muss am Ende eine echte Einsparung von Ressourcen zustande kommen. Bei Concular macht Forschung deshalb so extrem viel Spaß, weil wichtige Forschungsergebnisse, direkt in unsere Software oder in unsere operativen Prozesse im Consulting und der Logistik einfließen. Es landet nichts in der Schublade.“
Iterative Prozesse und klare Umsetzungsziele
Dass der Weg von der Unwissenheit zur funktionierenden Innovation nicht immer geradlinig verläuft, gehört für Luise zum Arbeitsalltag. „Forschung ist ein iterativer Prozess“, erklärt sie. „Man macht manchmal Rückschritte und es fühlt sich stellenweise so an, als würde man gar nicht vorankommen. Aber das Pragmatische in unserem Team hilft extrem. Wir haben ganz konkrete Umsetzungsziele und betreiben keine Forschung um der Forschung willen.“ Dabei helfen ihr vor allem ihre persönlichen Eigenschaften: eine gesunde Portions Stressresistenz, unstillbare Neugier und ein tief sitzender Optimismus.
Verantwortung, Gesetze und die Vision für morgen
Wenn Luise an die Zukunft der Baubranche denkt, blickt sie mit Zuversicht nach vorne, getragen von den enormen Fortschritten der letzten Jahre. „Wenn ich mir anschaue, was sich in den letzten vier Jahren verändertes hat, ist das gewaltig. Prozesse, die wir früher mühsam erklären mussten, sind heute schon in Ansätzen standardisiert. Wenn wir zehn Jahre weiterdenken, wünsche ich mir, dass zirkuläres Denken eine absolute Selbstverständlichkeit ist – dass niemand mehr fragt ‚Wie wär’s denn damit?‘, sondern dass Zirkularität der Standard ist.“
Für die Gesetzgebung hat Luise dabei einen ganz klaren Wunsch auf dem Herzen: „Wir müssen dahin kommen, dass es rechtlich nicht mehr akzeptabel ist, Materialien einzusetzen, ohne zu wissen, was am Ende des Lebenszyklus damit passiert. Wir brauchen klare Rücknahmeverpflichtungen und Vorgaben für ein Bauen mit wiederverwendbaren Materialien und Bauteilen – Herstellende, Planende und Auftraggebende müssen von Anfang an Verantwortung übernehmen.“
Auch technologisch sieht Luise riesige Chancen, etwa durch die Verbindung von Zirkularität und künstlicher Intelligenz, zum Beispiel bei der automatischen Bauteilerkennung auf Demontageflächen. Ihr täglicher Einsatz im Leistungsbereich Wissen & Transformation stellt sicher, dass aus solchen Ideen keine Utopien bleiben, sondern verlässliche Werkzeuge für die Baustellen von morgen entstehen.
Bei Concular macht Forschung deshalb so extrem viel Spaß, weil Forschungsergebnisse direkt in unsere Software oder in unsere operativen Prozesse im Consulting und der Logistik einfließen. Es landet nichts in der Schublade.